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Ein Traum wird Wirklichkeit

Tief hole ich Luft. Nun stehe ich hier, am ersten Ring der Sieberkante. Die Sonne blinzelt mir über das Elbtal ins Gesicht und ich spüre einen leichten Windhauch, optimale Bedingungen. Heute früh war daran noch nicht zu denken, ein Blick aus dem Fenster bot grauen Himmel und allenfalls die Chance für Regen. Doch jetzt geht es erst mal los, schnell wird in Richtung Gebirge gefahren. Kurz vor Königstein zieht immer noch Nebel durch das Elbtal und das Wetter verspricht alles andere als schön zu werden. Egal, wir steigen in Schmilka aus und laufen etwas gefrustet den Heringsgrund hinauft. Das Wetter wird nicht besser, Nebel gemischt mit feinem Sprühnebel wallt durch die Felsen, an Klettern ist kaum zu denken. Wir geben erst mal auf und trollen uns ins Tal. Nach unten hin wird das Wetter immer besser und wir schöpfen Hoffnung. Nach dem obligatorischen Schlechtwetterbesuch im Böhmischen scheint nun die Sonne und mir wird mit einem Schlag klar, dass ich „Es“ heute machen werde. Klar die Idee war alt. Schon lange schwirrte mir der Weg durch den Kopf, aber nie als ein konkretes Projekt. Immer nur mit respektvollen Abstand stand dort der Name „Vorderer Torstein-Sieberkante“. Kurz mit dem Freund verhandelt und er war begeistert. Schnell wurde das Auto Richtung Schrammsteinbaude gelenkt. Ein Hoch auf die ökologisch nicht ganz einwandfreie Individualmotorisierung. Der Anmarsch durch den Obrigensteig verlief sehr ruhig, nichts war von den sonstigen Blödeleien zu hören. Auch der Anstieg in die Scharte zum Meurerturm änderte nichts an der gespannten Ruhe. Wenig später standen wir am Einstieg. Jetzt oder nie. Ich horche in mich hinein und stelle keine Unsicherheit fest, keine schwitzigen Hände, keine Angst. Beim Schuhanziehen drücke ich den durch die innere Aufregung hochgeschnellten Puls wieder auf Normalmaß. Die ansteigende Querung zum Absatz gelingt erwartungsgemäß problemlos und sorgt für eine gewisse Entspannung.

Nun stehe ich also hier und hole erst mal nach. Kurze Zeit später steht der Freund neben mir und ich beginne den Weiterweg. Schwer, nur mit ein paar schlechten Auflagen als Griffe, gelingt es mir Höhe zu gewinnen. Eine gewisse Unruhe kommt in mir hoch. Sollte der Weiterweg auch so schwer sein? Immer wieder die selben Stellen werden betastet, es wird nicht besser. Ich entscheide mich nun doch für zwei Auflagen und schiebe mich vorsichtig aufwärts. Immer noch nicht gewonnen, immer noch sind die Auflagen nicht viel besser geworden. Es bleibt schwer. Aber zum Glück legt sich die Wand bald etwas, ich stehe gut und an einem tiefen Fingerloch komme ich zur Ruhe. Ein Blick nach unten verrät mir, dass ein Sturz jetzt fatale Folgen hätte. Ich stehe immer noch mit dem Finger der rechten Hand im Fingerloch und taste mit der anderen Hand die Wand über mir vorsichtig nach Griffen ab. Etwas wirklich Gutes finde ich nicht. Aber es muss Weitergehen, vorsichtig schiebe ich mich weiter nach oben. Bald stehe ich kurz unterhalb des Absatzes mit dem zweiten Ring. Mist, nur sandige Auflagen, Ruhe bewahren! Vorsichtig die Füße gesetzt, durchgestützt und ich stehe vor Freude schreiend auf dem Absatz. Schnell den Ring eingehängt und weiter. Etwas zu früh gefreut, der optisch einfach erscheinende Spaziergang zum Gipfel lässt aber auf sich warten. Eine sandige und damit schlecht kalkulierbare Reibung führt nach oben, also vorsichtiges ruhiges Treten. Fünf Meter oberhalb des Ringes noch mal ein schwerer Zug und ich habe es geschafft. Schnell wird der Freund nachgeholt und freudig liegen wir uns in den Armen. Die Anspannung ist verflogen und die Begehung Geschichte, die Erinnerung an diesen Weg dürfte aber noch lange nachhallen. Schnell geht es hinunter zur Schrammsteinbaude, noch ein Bier schlürfen. Ein Traum war verwirklicht, aber gab es da nicht noch die...

Z.

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