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Volkstümliche Musikanten

Es war an einem zunächst recht sonnigen Klettertag in Rathen. Wir waren eine große Truppe. Die Felsenbühne füllte sich allmählich mit Gästen, als der Himmel zunehmend wolkiger wurde. Wir seilten ab, denn Klettern bei Regen war schon damals nicht unser Ding, weil man nämlich selber oft dabei nass wird. Unsere Bekleidung unterschied sich recht deutlich von der heute im Gebirge üblichen Funktionsbekleidung, obwohl auch wir beispielsweise schon über Kletterhosen verfügten, die durchaus funktionsbezogen gestaltet waren. Ein wichtiges Merkmal waren die vielen Belüftungslöcher, die man sich beim damals so beliebten Kamin- und Schulterrißgeschabe erwarb. Harten Widerstand leisteten dem Fels hingegen die aufgeklebten oder mit brutalen Chirurgennähten angehefteten Lederstücke, die vor allem beim Abseilen im beliebten Sachsen- oder Dülfersitz unsere Hinterteile vor Verbrennungen und Querkerben schützen sollten. Da auch unsere Oberbekleidung sehr zerlöchert war, blieben meistens nur unsere Kopfbedeckungen etwas ansehnlich, egal ob Filzhut oder Piratentuch. So zerlumpt und behangen mit Seilen und birnenförmigen, traggestellfreien und der menschlichen Anatomie widersprechenden Rucksäcken flohen wir vor dem Tröpfeln in das Tal. Ehe wir uns versahen, gelangten wir in das Gelände der Felsenbühne, gerade in dem Moment, als wegen des beginnenden Regens mit tiefstem Bedauern die Vorstellung abgesagt wurde. Da wir den Menschen ansahen, wie traurig sie darüber waren, schritten wir kurz entschlossen auf die Bühne. Wir hatten zwar schon alle miteinander gesprochen, aber noch nie zusammen gesungen. Ohne große Worte gelang es uns, eine chorähnliche Aufstellung einzunehmen, immerhin etwa 15 eisenharte Bergler waren wir ja. "Was singen wir", fragte ich. "Brüder zur Sonne zur Freiheit", lautete der erste Vorschlag. Ich wollte wissen, ob jemand den Text kenne. Wir kamen zum Ergebnis, dass keiner wesentlich mehr als die ersten zwei Zeilen wußte, die mit "Brüder zum Lichte empor" endeten. Da die Leute begannen, Ihre Sitzplätze zu verlassen, mußte schnell gehandelt werden. Jürgen bestimmte: "Wir singen Heidenröslein." Der Entschluss war grauenhaft, noch schrecklicher der nachfolgende, vielstimmige Gesang mit zahlreichen sich überschneidenden Textvariationen. Jeder Sänger legte mangels eines Dirigenten auch eigenverantwortlich fest, wann er mit dem Gesang begann und wann er endete. Als die letzte zarte Stimme verklungen war, setzte spontaner Beifall unter den Zuschauern ein, die für kurze Zeit ihre Flucht vor dem Regen unterbrochen hatten. Siegfried rannte mit seinem Filzhut von der Bühne und stürzte kassierend durch die Reihen. Besonders kunstversessene Gäste zahlten freiwillig bis zu 5 Pfennig der Deutschen Demokratischen Republik. Nur diesen großzügigen Menschen ist es zu verdanken, dass wir mehr als 12 Mark eben dieser Deutschen Demokratischen Republik einnahmen, einen Betrag der Anfang der Siebziger ein Äquivalent für mehrere große gefüllte Gläser Bier darstellte. Leider verschwendete der damals in der alten Basteigaststätte tätige Kellner, der Brillengläser trug, die ein bißchen an Flaschenböden erinnerten, eine gewisse Menge dieses Gerstengetränkes. Ihm fehlte leider die Gabe des räumlichen Sehens und er hielt die Flaschenöffnung beim Füllen der Gläser weniger über den Glasrand, als viel mehr über das Tischtuch. Da wir ihn rechtzeitig auf seinen Fehler hinwiesen, wurde es noch ein schöner Abschluss eines erfolgreichen Klettertages.

Cleo

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