Jugenderinnerungen

Tödliches Verhängnis

Als ich 1957 zu klettern begann, wäre ich beinahe Mitglied der KV “Steile Rinnen“ geworden. Doch mit dem Tod von Willy Lohse starb praktisch auch dieser Club. Willy hatte, damals etwa 60-jährig, die Ostkante am Talwächter gemacht. Nach gelungener Bergfahrt, zog er sich (stolz auf die Kante blickend), auf einem Block vor dieser, die Kniebundhosen an. Dabei blieb er mit einem Fuß im Hosenbein hängen, strauchelte und stürzte rücklings vom Block. Infolge einsetzenden Gehirnblutens starb er auf dem Weg ins Krankenhaus oder kurz nachdem er dieses erreichte.

 

Staatliche Unterstützung

Mit staatlicher Unterstützung holte sich Fritz Eske 1960 eine Begehung der Nischenkante am Heringsstein. Als wir auf Grenzstreife vom Wurzelweg her am Heringstein vorbei kamen, sprach mich Fritz mit den Worten an: „Sag mal Kumpel, kann ich Dir mal kurz aufs Ehrenkleid latschen?“ Und schon war ich in die Baustelle am Einstieg des Weges integriert. Jedes Mal, wenn ich am Heringstein bin, entsinne ich mich schmunzelnd meiner ersten Begegnung mit diesem exelenten Kletterer, den 1967 der Tod in der „Eigerwand“ ereilte.

 

Keine Zeit für Kinder

Als ich Felix Simon, den Erstbegeher der Monte Pelmo- Nordwand und anderer klassischer Alpenwege, um 1964 in der „Helvetia“ traf, erzählte ich ihm von den familiären- und kletterorganisatorischen Schwierigkeiten, die die Geburt meiner Zwillinge mit sich brachte. Auf meine Frage, wie er solche Probleme gelöst habe, antwortete er entrüstet: „Für Kinder hatten wir gar keine Zeit“. Dadurch litt das Ansehen meines Idols gewaltig; zu mindestens in meinen Augen.

 

Die Babytrage

1963/64 sah man fast wöchentlich in der „Schweiz“ zwei Bergfreunde, die an Tragegurten eine Art Kaspertheater mit 2 Etagen und bunten Vorhängen, aus Rundeisen und Schweißdraht gefertigt, zu den Einstiegen der Kletterwege schleppten. Einer der beiden war immer ich....und in dem Gestell schliefen meine Zwillinge; einer unten und einer oben. Eines Tages kletterte ich mit meiner Frau den Neuberweg am Rauschenstein. Die Kinder standen ( heute undenkbar!) am Einstieg. Leider dauerte unsere Begehung mit 3-4 Stunden viel zu lange, so daß  wir uns ernstliche Sorgen um die Kinder machten. Aber unten angekommen, war alles friedlich. Die Säuglinge schliefen, wie wir sie verlassen hatten. Aber irgend etwas war doch passiert. An einer Birke hing ein Plastebeutel mit „vollen“ Windeln.....und die Babys waren frisch gewickelt. Wie wir später erfuhren, waren Tschechen vorbeigekommen und hatten sich liebevoll um Jörg und Thomas gekümmert. Erst als wir selbst erwachsener wurden, haben wir unseren Leichtsinn erkannt.

 

von Peter Hähnel

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