Das Hermann- Buhl- Syndrom

Als Hermann Buhl an der Chogolisa starb, begannen Christian Adler und ich gerade mit dem Klettern. Natürlich wollten wir wie Hermann Buhl werden .....und so trugen wir im Winter Schneebälle in den Händen, um uns an Schnee und Eis zu gewöhnen, kletterten den „Hohen Riss“ bei minus 15° und übernachteten im März am 2. Ring der „Weinertwand“, in die wir eines schönen Sonnabends gegen 16:00 Uhr eingestiegen waren. Offensichtlich muß ich widerstandsfähiger gewesen sein als Christian, denn jedesmal entging ich dem Blödsinn ohne Blessuren. Er dagegen fror sich beim Schneeballtragen die Finger an, am Hohen Riss die Zehen...und nach der durchfrorenen Nacht am Vexierturm holte er sich eine mächtige Grippe. Ewig wird mir in Erinnerung bleiben, wie er versuchte die Weinertwand sozusagen technisch bei mir nachzusteigen. Vom 2.Ring gab es für ihn einfach kein Wegkommen mehr, weil die Finger klamm waren und überhaupt, weil er entsetzlich fror. So begann er am eigenen Seil zu hangeln und wickelte es sich mit jedem Höhenmeter spiralenförmig um den rechten Arm. Einholen  konnte ich das Seil nicht, da er es nie entlastete. So 4- 5m Seil paßten auf den Arm. Beinahe wäre er zum Stehen gekommem, aber dann waren die Kraftreserven doch alle. Es war ein herrliches Bild, wie sich im Flug das Seil wieder abspulte. Schließlich half nur Ablassen...und Horst Diewock, der an jenem Morgen nach uns schauen kam, sprang in die Bresche und stieg den Weg bei mir nach.

Peter Hähnel

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