Die Brillen und der Ökologe

Bereits vor der sogenannten Wende, oder besser "Rückkehr" ärgerte ich mich maßlos über Mitmenschen, die Flaschen, noch dazu Pfandflaschen nach Genuss des Gerstensaftes achtlos in den Bergwäldern entsorgten. Wir kletterten in Eiland und ich fand beim Heimgehen fünf schöne, saubere Bierflaschen am Wegesrand. Im irrigen Glauben, man bekäme drei Kronen Pfand pro Flasche, das entsprach umgerechnet einer Mark der Deutschen Demokratischen Republik, bückte ich mich, öffnete die Rucksackklappe und steckte das Leergut hinein. In Petrovice stürmte ich in Erwartung größerer Bargewinne in den nächsten Laden, stellte die schönen Flaschen auf den Ladentisch und erhielt zu meinem Erstaunen nur eine Krone Pfand pro Flasche, also etwa dreißig Pfennig in Aluminium. Noch bevor sich das Entsetzen darüber so richtig in mir festgesetzt hatte und ich mir überlegen konnte, ob sich unter diesem Aspekt das Bücken überhaupt gelohnt hat, folgte der nächste Schicksalsschlag: Die Bierflaschen waren zwar im Rucksack heil geblieben, nicht aber meine Kletterbrille, die im Rucksack darunter gelegen hatte. Sie hatte zwar nach wie vor eine schöne Fassung, aber keine Gläser mehr. Das Geschäft war misslungen.

Jahre später stehen wir im Bielatal am Spannagelturm. Der Boden ist feucht und kalt, ich stehe in Socken auf meinem Kletteranorak und erzähle eben diese schlimme Geschichte. Als ich gerade erwähne, die Brille sei damals kaputt gegangen, knackte es seltsam unter meinen Füßen. Richtig vermutet: Meine neue Kletterbrille steckte in der Brusttasche meines "Fußabstreichers" und ich konnte meinen Bergkameraden gleich noch einmal praktisch demonstrieren, wie eine Brille ohne Gläser aussieht. Die Begeisterung war grenzenlos. Nun bin ich glücklich, dass es Kontaktlinsen gibt und die billigen Brillen von Fielmann, die fleißige Frauen in der Ukraine so preiswert für Trottel wie mich anfertigen. 

Cleo

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