Boofengeschichten

Obwohl ich schon 1977 meinen ersten „Schweizgipfel“ bestieg, und dank meiner Eltern schon als Kind die Sächs. Schweiz kennen lernen durfte, datiere ich den Beginn meiner Kletterzeit auf die Jahre 1983/84. Ich war damals 15 Jahre und wollte, wie das wohl heute heißt, einfach bloß cool sein und climben. (Glücklicherweise traf ich rechtzeitig ein paar Leute, die mir gezeigt haben, dass ein „Ruppberg“ auch als Flaschenöffner taugt. Na zdraví – HO Pivo!)

Aber zurück zum Jahr 1984, genau zum 9.August. Meine letzten Schulferien – und ich wollte mit meinem Kumpel Jens unbedingt noch mal „raus“ und das von Donnerstag bis Sonntag. Donnerstag früh im Zug entbrannte eine heiße Diskussion wohin es eigentlich gehen soll. Es war affig warm, schwül, windstill und unsere Rucksäcke wogen ca.20kg. Da wir uns nicht richtig einigen konnten, stiegen wir Krippen aus und liefen sinnvollerweise erst mal den Obrigensteig mit Anschluss Elbleitenweg, Heilige Stiege, Rosssteig zum Zeughaus – man war eben noch jung. Eigentlich waren wir schon total kaputt, durchgeschwitzt sowieso, aber wir wollten noch was klettern und natürlich anschließend boofen. Am Fuß des Teichsteinwächters angekommen, entschieden wir, dass es für den Aufstieg auf das Massiv (um von dort aus auf die Terrasse mit den leichteren Wegen zu kommen – der VIIer Bereich war uns noch nicht so vertraut) bedeutend zu warm ist. So kletterten wir den „Südostkamin“ (III) – mich hat später mal jemand gefragt, wie dass so ist, bei 100% Luftfeuchte, ob man da schwimmen muss – ja, irgendwie schon!

Als wir wieder unten waren (die AÖ bis runter gab es damals noch nicht, oder wollten wir nicht abseilen, weil wir nur ein 40m Seil hatten – weiß nicht mehr so genau), war es schon fast dunkel und wir schafften es gerade noch so in die Kanstein – Boofe. Inzwischen regnete es leicht und entfernt gewitterte es.

In der Nacht brach dann das Grauen über uns herein, es gewitterte wie ich es noch nicht erlebt habe, der Donner wurde vom gegenüberliegenden Teichstein zurückgeschleudert und man wusste gar nicht mehr welcher Donner zu welchen Blitz gehörte. Zeitweise klang es so, als würden permanent Schnellzüge zwischen Teich- und Kanstein durchrauschen. Im Boofengrund hörte man es elektrostatisch knistern und ich bilde mir ein die Funken überspringen zu sehen. Kurz vorher hatte ich ein Buch („Gefahren in den Bergen“) geschenkt bekommen und wusste natürlich, dass es das Dümmste ist unter einem Überhang, zudem noch unter so einem Exponierten zu bleiben, wo inzwischen direkt vor der Boofe ein mannsdicker Wasserfall vom Kanstein runterstürzte. Allerdings war ich vor Angst wie gelähmt, den Schlafsack über den Kopf gezogen wartete ich auf das Ende. (Im Nachhinein bin ich froh, dass ich den Schlafsack nur nassgeschwitzt hatte)

Zur Morgendämmerung verzog sich das Unwetter und ich glaube wir haben gar nicht viel geredet, wir sind einfach nach Schmilka getrabt -  ab dem Winterberg etwas schneller, weil es wieder anfing zu gewittern.

Heute werde ich immer ausgelacht, wenn ich bei Aufzug der ersten Miniwolken schon zum Rückzug blase – na ja, nobody is perfekt...

Th.                   

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