Basteibrücke

Ein Klettertag im Juli 1994 im Basteigebiet neigte sich dem Ende, ich hatte mich schon stadtfein umgezogen und schlenderte noch mal (ohne Rucksack, nur mit Fototasche) über die gut besuchte Basteibrücke. Am Jahrhundertturm kletterte eine Dreierseilschaft den AW. Der Vorsteiger war schon am Ring und die Nachsteigerin querte, von beiden Seiten gesichert gerade in die Talseite. Ich mengte mich in die Touristentraube ein, um ein paar lustige Kommentare aufzuschnappen, die lautstark zum Besten gegeben wurden – ich amüsierte mich prächtig.

„HALLO SIE, KÖNNEN SIE MICH MAL KURZ SICHERN ?“ der Schlussmann der Seilschaft sah mich mit großen Augen an und hielt mir ein Seil entgegen. Ich schaute rechts, ich schaute links, ca. 50 Touristen schauten mich an. Es war plötzlich totenstill – man hörte ein paar Herzschrittmacher arbeiten – aber es „stand“ unüberhörbar ein Satz über dem Touristenpulk: ‚Zum Glück hat der mich nicht gefragt!’ 

„ÄH...NAJA...ICH WEISS NICHT..ÄH...NA GUT“ es plumpsten ungefähr 50 Steine auf die Basteibrücke und ich stieg über die Brüstung. Der Sportfreund hatte sich so 10 Meter vorm Seilende eingebunden, ich verklemmte mich so leidlich und sicherte ihn Brustkreuz den kurzen Riß runter und warf das Restseil in hohem Bogen hinterher (er war natürlich auch noch normal vom Vorsteiger gesichert). Das Getuschel der Touristen verstummte noch mal kurz als ich mich wieder auf die Brücke schwang und mich durch eine Gasse bewundernder Blicke davon trollte. Für die Touris war ich bestimmt der Held des Tages.

Anmerkung: Die drei Kletterer waren selbstverständlich „meine“ Leute und die Sicherungsmethode vorher abgesprochen. Wie ich allerdings zum Einsatz gerufen wurde war auch für mich so überraschend, dass ich richtig blöd geglotzt haben muss und damit die ganze Geschichte so skurril wirkte...

 Th.

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